Interview mit Christina Boss – zu ihrem Beitrag im Jahrbuch RESET Band II – Mensch und Menschenbild
Keine faulen Kompromisse zulasten deiner Persönlichkeit
Einleitende Worte von Christina Boss
In einer globalisierten Welt voller Unruhen, stetig zunehmender Herausforderungen und sich wandelnden Ansprüchen brauchen wir gestärkte Persönlichkeiten. Menschen handeln aus unterschiedlichen Gründen gut oder böse; oft sind Not und Selbstschutz die Auslöser für negatives Verhalten. Unser Handeln wird von unseren Erfahrungen, der Erziehung und unserer eigenen Persönlichkeit geprägt. Verletzte Menschen entwickeln Schutzmechanismen, die manchmal helfen, aber auch schaden können.
Es ist entscheidend, deine Persönlichkeit zu stärken und dein Menschsein mit deiner Denkweise in Einklang zu bringen. Werkzeuge und persönliche Strategien bieten Sicherheit und die Möglichkeit, deinen Lebensweg stetig zu überprüfen und anzupassen. Je besser du verstehst, wie du „tickst“, desto besser kannst du Herausforderungen meistern.
Stell dir vor, Kinder würden schon früh lernen, mit Herausforderungen umzugehen. Dies würde nicht nur ihr seelisches Wohlbefinden stärken, sondern auch viel Lebensgelassenheit aufbauen. Du kannst dir nicht immer aussuchen, was dir im Leben widerfährt, aber du kannst immer entscheiden, wie du damit umgehen willst.
Rückblickend auf 20 Jahre Begleitung von Menschen in schwierigen Situationen weiss ich, dass vieles möglich ist. Ich möchte dich ermutigen, mutig zu sein und nach maximaler Lebensqualität zu streben, egal wie schwierig die Situation gerade ist. Suche und finde die beste Version deiner selbst und lerne, deine unvollkommene Seite anzunehmen und zu schätzen. So wirst du gestärkt alle Anforderungen und Unannehmlichkeiten des Alltags besser meistern. Authentisch gestärkt zu sein, ist viel entspannter als nach einer „perfekten“ Version deiner selbst zu streben, um anderen zu gefallen. Dies kostet dich unnötig Energie, da es ein perfektes Ich schlichtweg nicht gibt.
Deborah Bichlmeier und Christina Boss im Interview
Deborah:
Herzlich willkommen, Christina. Dein Weg – von einer erfolgreichen HR-Spezialistin und Coach im Krisenmanagement hin zu einer inspirierenden Mentorin, die Menschen aus dem „Zombie-Modus“ befreien möchte – ist beeindruckend. Besonders deine Geschichte, wie aus deiner schweren Krankheit und intensiven Reha-Erfahrungen eine neue, authentische Lebensfreude erwachte, fasziniert mich. Kannst Du uns erzählen, wie sich diese einschneidende Krise in Deinem Leben anfühlte und welche Rolle sie für Deine Neuausrichtung gespielt hat?
Christina:
Vielen Dank, Deborah. Es war eine der prägendsten Zeiten meines Lebens. 2017 kam ich mit „Grippe-Symptomen“ ins Krankenhaus – dahinter verbarg sich nach ausgiebigen Untersuchungen ein Hirntumor, der akut operiert werden musste. Von da an war nichts mehr wie es war. Die darauffolgenden Jahre waren geprägt von einer intensiven Phase der Rehabilitation und der Neuerfindung meiner Person und Firma. Ich änderte meine Strategien und Arbeitsweisen so lange, bis sie wieder „kompatibel“ mit mir und meinen neuen Defiziten waren. In der Reha-Zeit fühlte ich mich oft wie ein „Zombie“ und ich gab mir in dieser Zeit ein heiliges Versprechen: Ich werde wieder zufrieden im Leben stehen – für mich, meine Familie und meine Arbeit. Fortan war ich eine vorbildliche Patientin und feilte weiter an meiner Methode, die ich in den nächsten Jahren am eigenen Leib erprobte und stetig optimierte. Ich war und bin viel mehr als meine Krankheit, so bestärkte ich mich trotzig Tag für Tag. Darum strebte und strebe ich täglich trotz verbleibender Defizite nach Zufriedenheit im Alltag. So wurde meine Methode, nach der ich seit vielen Jahren arbeite, „offiziell“ zur Marke „Raus aus dem Zombie-Modus®“.
Deborah:
Deine Erfahrungen auf der Reha in der Schweiz klingen fast wie aus einem inspirierenden Film. Besonders das Rollatorrennen mit einem 70-Jährigen – wie hast Du diesen Moment erlebt und was bedeutete er für Dich?
Christina:
Oh, das Rollatorrennen war lustig und es war über die 3 Wochen, die er da war, unser tägliches Ritual. Diese Situationen gehören zu den wenigen Momenten, an die ich mich gerne zurückerinnere. In einem Reha-Haus, in dem ich mich immer fehl am Platz fühlte. Ich war 48 Jahre alt, meine Mitpatienten im Durchschnitt 70 Jahre und älter und vor allem allesamt fitter und „gesünder“ als ich. Die „Alten“ kamen und gingen, und ich blieb wochenlang. Diese Rennen waren nicht nur sehr spassig, sondern eines meiner größten Schlüsselerlebnisse, wo ich verstand, dass in jeder schlimmen Situation auch Gutes passieren kann. Es ist meine Entscheidung, wie ich mit der Situation umgehen möchte. Ich definierte und handelte fortan konsequent danach, auch wenn andere wenig „Verständnis“ dafür hatten. Da entstand auch diese Haltung: „Mein Leben – meine Entscheidung.“
Deborah:
Dein Weg führte zu einer neuen inneren Klarheit, in der Du sagst: „Ich muss und möchte auch keine „faulen“ Kompromisse zulasten meiner Persönlichkeit mehr machen.“ Wie hast Du diese Klarheit gefunden, und wie integrierst Du sie in Deinen Alltag und Dein Coaching?
Christina:
Die Klarheit kam durch viele kleine, bewusste Entscheidungen, die ich täglich für mich fällen musste. Während der Reha und den nachfolgenden Behandlungen, wie der Bestrahlung des restlichen Tumors, wurde mir immer klarer, dass am Ende nur ich entscheiden kann, wie ich lebe und meine Sicht auf mein Umfeld kompatibel mit meinen Werten gestalte. Ich verstand: „Wenn ich entscheide und wenn nötig, wieder korrigiere, dies einfacher für mich ist, als wenn ich in oder durch die Situation „geprügelt“ wurde. Es gab mir Freiheit jeden Tag bewusst zu wählen, wie ich die Welt, die Menschen in meinem Leben sehe und damit umgehen möchte. Diese Haltung hat mich bestärkt, dass ich in meiner Welt, keine faulen Kompromisse zulasten meiner Persönlichkeit mehr machen muss. In Beziehung zu anderen – gehören Kompromisse selbstverständlich dazu. Aber meine Welt gehört mir allein. Da will ich und muss ich keine ungefragten Tipps annehmen. Genauso verhält es sich in der Welt meines Gegenübers. Da gebe ich gerne meine Meinung kund, wenn sie denn gewünscht ist.
Deborah:
Würdest Du sagen, dass Fehler machen ein wichtiger Weg zum Wachstum sein kann – und dass Perfektionismus uns oft im Weg steht?
Christina:
Fehler machen gehört zum Leben dazu. Dieses Streben nach Perfektion ist anstrengend und kostet so viel Energie. Verwende diese Energie lieber für Strategien, deine „unliebsame“ Seite mehr wertzuschätzen und somit weniger Angst zu haben, dass du falsch liegen könntest. So wirst du mehr Menschen um dich versammeln, die dich genau so lieben, wie du bist. Herrlich unperfekt authentisch. Entspannt im Kreise seiner Lieblingsmenschen – so soll es sein😃.
Deborah:
Du liebst die Menschen, Tiere und die Natur und möchtest authentisch sein, auch wenn das bedeutet, nicht von allen geliebt zu werden. Wie wichtig ist Dir diese Authentizität und Verbindlichkeit in Deinem Leben und Coaching?
Christina:
Ohne Authentizität gibt es für mich keine entspannte Zufriedenheit im Alltag. Ich bin, was ich bin, weil mein Leben so ist, wie es ist. Ich möchte mich für niemanden verstellen oder mich entschuldigen müssen, dass ich bin, wie ich bin. Wir alle haben gute Seiten und solche, die weniger entsprechen. Ich gebe täglich mein Bestes, bin ein netter Mensch – wenn das für mein Gegenüber nicht reicht, dann ist es halt so. Hab Mut, DU zu sein. Verschwende deine Energie nicht, um zu „gefallen“, sondern lerne Strategien, damit du die „negativen“ Reaktionen deines Gegenübers aushalten kannst. Verbindlichkeit ist mir sehr wichtig – ich sage, was ich meine und meine, was ich sage. Pragmatische Lösungen im Alltag und verstehen, wie du „tickst“, das schafft Bewusstsein über dein Handeln und führt zur nachhaltigen Zufriedenheit. So wirst du authentischer und selbstbewusster schwierige Situationen meistern können. Das sind unter anderem die Grundlagen für meine Coachings.
Deborah:
Zum Abschluss, Christina: Was erhoffst Du Dir, wenn die Leserinnen und Leser Deinen Buchbeitrag lesen und erleben? Welchen Mehrwert sollen sie aus den neuen Themen, Instrumenten und Ressourcen mitnehmen?
Christina:
Ich wünsche mir, dass die Menschen den Mut finden, für sich und ihre Bedürfnisse einzustehen, unabhängig, ob dies anderen gefällt oder nicht. Ohne Angst dafür be- oder verurteilt zu werden. Entscheide über Situationen in deinem Leben, korrigiere, wenn nötig. Nichts tun, ist keine Option. Wenn du nicht entscheidest, wird die Situation dich in eine Entscheidung zwingen und dann hast du vielleicht keine Strategie zur Hand. Hab Mut, ein selbstbestimmtes und zufriedenes Leben für dich einzufordern und stetig danach zu streben. Zufriedenheit ist kein Ereignis, sondern ein Lebensweg. Sei loyal deiner Persönlichkeit gegenüber – das wird dich nachhaltig stärken.
Deborah:
Vielen Dank, Christina, für dieses tiefgehende und authentische Gespräch. Deine Geschichte, von der Krankheit über die Reha bis hin zur neuen, klaren Lebensausrichtung, ist ein kraftvolles Beispiel dafür, wie aus Krisen neue Stärke und Lebensfreude erwachsen können. Ich bin überzeugt, dass Deine Ansätze und Instrumente vielen Menschen helfen werden, ihre eigene Reise aus „Raus aus dem Zombie-Modus®“ zu beginnen.
Christina:
Vielen Dank, Deborah. Ich freue mich, bei dieser Buchreihe einen Beitrag leisten zu dürfen und wünsche mir, dass jeder Mensch selbstbestimmt und authentisch seinen Weg gehen darf, denn wir alle haben ein zufriedenes Leben verdient.
Links von Christina Boss:
www.zombie-modus.com
www.abc-persoenlichkeit.com
https://zombie-modus.com /buchbestellung/



