Lesen Sie hier die Summaries der Beiträge im Buch Mensch und Menschenbild

Reset Jahrbuch im Epochenumbruch – Band 2

Michel Fornasier, alias Bionicman – „Entbindert statt Behindert

Gemeinsam stark für Kinder

Das Fehlen der rechten Hand von Geburt wurde in der Kindheit zu Hause nicht als Makel betrachtet, und die bei der Einschulung angepasste Handprothese fühlte sich für den Jungen wie ein Fremdkörper an. Er verbannte sie auf den Dachboden und lebte fortan mit Getuschel in der Öffentlichkeit angesichts seines Armstumpfs. Als das Gerede immer abstruser wurde, mied er Gesellschaft oder versteckte den Armstumpf in der Jackentasche.

Beim Basketball-Club wurde er abgewiesen, doch die erste Liebe störte sich nicht an seiner Besonderheit. Dabei erledigte er seine Alltagspflichten, auch Sport und Schlagzeug ‹mit links›. Erst mit 35 erfuhr er von einer Hightec-Handprothese mit frei beweglichen Fingern (sogar für Touch Screens geeignet) und Sonderprogrammen für Drehen und Greifen. Die Anpassung dieser bionischen Handprothese war ein überwältigendes Gefühl. Damit das Wunderwerk stets sichtbar blieb, wählte er einen durchsichtigen Silikon-Handschuh, welcher den Blick auf den inneren Mechanismus freigibt. Seither hat der Autor es sich zur Aufgabe gemacht, den Gebrauch solcher robotischer Hilfsmittel zu fördern. Nach einer Berufslaufbahn bei Amnesty International und Save the Children gründete Michel Fornasier seine eigene gemeinnützige Give CHILDREN a Hand Foundation, die neuartige Handprothesen aus dem 3D-Drucker entwickelt. Gemeinsam mit einer Partnerin tritt er als Bionicman und Bionica (Gina Rühl) als Bionics im Superheld:inkostüm an Schulen, in Kinderkrankenhäusern und im Sportcamp auf.

Andreas Oshowski – „Das Verschwinden der Freundschaft in einer schnelllebigen Welt

Perspektiven aus Soziologie, Theologie, Biografiearbeit

Wie auf einen Schlag scheint gerade die Freundschaft aus unserem Sozialleben zu verschwinden, und auch uns rufen unsere Lebensfreunde zu: »Du fehlst!« Der gesellschaftliche Zusammenhalt hat innerhalb einer Generation erkennbar abgenommen, die stark anwachsende Mobilität lässt Verwurzelung nicht zu. Schnelllebigkeit, Arbeitsteilung und die Überhöhung der romantischen Liebe als Kompensation für Heimatlosigkeit lassen eine ausdrückliche Sprache der Freundschaft in Vergessenheit geraten. Männer und Frauen sind in ihrer Bezogenheit aufeinander gefangen, wohingegen es in einer Freundschaft eher um den anderen Menschen in seiner Gesamtheit geht. Hinzu kommen die Sprachlosigkeit zwischen den unterschiedlichen Kulturen im Lande und die Nichtrepräsentanz von muslimischen Migrantinnen (etwas weniger: muslimischen Migranten) im gesellschaftlichen Zentrum und gehobenen Positionen, schließlich die Gleichgültigkeit wachsender Teile der Jugend allen Sinnfragen gegenüber.

So schlägt sich die Flucht in den Konsum angesichts allgemeiner Sprachlosigkeit auch in ‹Konsumfreundschaften› nieder. Ganzheitlichkeit und ein Gespür für das Gute zerfallen, damit aber auch die Transzendenz als Anker einer unverfügbaren, zweckfreien Freundschaft. Und so ist der materialistische, sich selbst organisierende Mensch mehr und mehr beziehungsunfähig; angesichts der allgemeinen Unübersichtlichkeit fliehen viele in Geringschätzung anderer. Ob der Verlust als starker oder als schwacher Verlust empfunden wird, ist angesichts der Befürchtungen, die Moderne als solche könne bald zusammenbrechen, vermutlich vernachlässigenswert, denn gerade verlieren viele sinnbezogene humanistische Redeformen ihren Sinn. Auch das Christentum vermag die Lebensfragen einer technischen Zivilisation nicht zu beantworten, müsste für ein menschliches Band werben, dann aber in Überschreitung der Moderne, analog einer menschlichen Überschreitung. Nur scheint es für die echten, wirklichen menschlichen Beziehungen derzeit wenig pastorale und theologischen Verständnisangebote zu geben. Säkularisierung, Individualisierung, sogar Wiederkehr der Transzendenz aus dem Geist ihres Verschwindens als unhintergehbare materielle und geistige Gegebenheiten verschließen den Weg zur Gottesfreundschaft. Denn Gott waltet nun ganz offensichtlich in einer gottfernen Welt, und die süßliche ‹Jesus-Freundschaft› will das Böse möglichst nicht wahrnehmen. Doch uns fehlt die Entschlossenheit, mit ihm zu streiten, und sicherlich längst auch die Sprachfähigkeit, mit ihm zu reden. Erst wenn wir wieder eine anspruchsvolle Streitkultur lernen, können wir Freundschaft neu begründen (und gerade deswegen müssen wir einen interreligiösen Dialog schaffen).

Doch unter anderem die Biografiearbeit als konkretes Beispiel für diese teils hochabstrakten Erwägungen lässt uns ermessen, inwieweit einzelne ihrer Lebenssituation wirklich gewachsen sind, nicht Lebensgeschichten aus unserem eigenen, eng umgrenzten Freundeskreis, wohlgemerkt, sondern aus zufälligen Straßenansprachen über die eigene Gefühlsgeschichte, von denen sich keine:r freisprechen wird, z. B. Erfahrungen mit dem eigenen Vater oder zerbrochenen Freundschaften. Aus dieser theoretischen Reflexion und empirischen Straßenprojekten werden abschließend acht Freundschaft stärkende Faktoren abgeleitet, die jede:r wie ein verhaltenstherapeutisches Programm auf sich selbst anwenden kann: Suche nach dem Anderen aufgrund elaborierter Ich-Stärke und unter Rückgriff auf eigene Ressourcen und Kommunikationsfähigkeiten, wobei die Sinnfrage uns den Mut schenkt, Aufbruch zu wagen. Je genauer wir andere kennen, desto stärker wird unsere Selbstwirksamkeit. Unser Geist ist das Geschenk der Anderen!

Julia Mayer – Mensch. Menschenbild. Menschenbildung

Wie wir alle als Einzelne Einfluss auf unser Umfeld ausüben können und welche Bildung uns dazu befähigt

Nach dem Abitur und einem zunächst wenig erfüllenden Pädagogikstudium sammelte die Autorin im Einzelhandel als Filialleiterin und Ausbilderin erste prägende Erfahrungen in der beruflichen Bildung. Dabei zeigte sich deutlich die Diskrepanz zwischen realen Ausbildungsprozessen und den oftmals lebensfernen Vorgaben der Ausbildungsrichtlinien. Als sie versuchte, Lerninhalte zwischen den Ausbildungsjahren zu verschieben, um einer schüchternen Auszubildenden psychologische Sicherheit zu vermitteln, stieß sie auf heftige Ablehnung seitens der Vorgesetzten. Diese Erfahrung führte zu einer grundlegenden Auseinandersetzung mit Fragen individueller Förderung, Selbstwirksamkeit und pädagogischer Verantwortung. Es folgte ein Studium in Berufspädagogik, in dessen Anschluss sie die Leitung eines Projekts zur Arbeitsmarktintegration von Jugendlichen mit multiplen Vermittlungshemmnissen übernahm. In diesem Konzept wurde Selbststeuerung zum zentralen pädagogischen Prinzip: Die Teilnehmenden entdeckten ihre Fähigkeiten in gemeinsamer Reflexion, arbeiteten eigenständig und entwickelten durch das Erleben von Selbstwirksamkeit ein gestärktes Selbstwertgefühl. Heute ist die Autorin als selbstständige Lehrkraft tätig, mit den Schwerpunkten Lernbegleitung, Förderung von Selbstständigkeit und Gestaltung selbstwirksamer Bildungsprozesse an Schulen in herausfordernder Lage. Vor dem Hintergrund gegenwärtiger gesellschaftlicher Entwicklungen beschreibt sie eine Tendenz zur Geringschätzung und Abwertung, die an die Stelle von Verantwortungsübernahme und sozialer Teilhabe tritt. Leistungsanforderungen werden zunehmend entmenschlicht, Einkommensunterschiede wachsen, und die Bildungspolitik konzentriert sich fast ausschließlich auf die Minderheit der Studierenden.

Etwa zwei Drittel der Jugendlichen ohne akademische Laufbahn geraten dadurch weitgehend aus dem Blick. Die Entfremdung von politischen und gesellschaftlichen Eliten verknüpft sich mit einer kulturellen Fixierung auf Selbstvermarktung: Menschen vergleichen sich ständig mit anderen – meist über soziale Medien – und fokussieren auf Mängel statt auf Kompetenzen und Potenziale. Dem setzt die Autorin eine andere Perspektive entgegen: Anstelle des kultivierten Vergleichs sollten soziale Anerkennung, respektvolle Begegnung und die bewusste Akzeptanz von Unterschieden treten.

Durch unvoreingenommenes Miteinander und das Hervorheben gemeinsamer Werte ließe sich eine Kultur herstellen, die Menschen in ihrer Einzigartigkeit anerkennt und sie als selbstwirksame Akteure stärkt. Das Schulsystem jedoch verfestigt bestehende Spaltungen eher, als sie zu überwinden. Lediglich rund zehn Prozent der Schulen in Deutschland werden über Mindestförderungen hinaus unterstützt. Lehrpläne fokussieren weiterhin auf normierte Bestleistungen statt auf kind- und lebensweltgerechte individualisierte Lernziele. Kinder und Jugendliche aus schwierigen Lebensumständen scheitern daher häufig unbemerkt. Selbst wohlmeinende Lehrkräfte und ausbildende Fachkräfte urteilen oftmals anhand von subjektiven Präferenzen, geleitet von Antipathien oder normativen Ordnungsvorstellungen. Das pädagogische Menschenbild entsteht damit primär auf der Beziehungsebene – weniger durch inhaltliche oder didaktische Reflexion.

Empathielosigkeit ist jedoch kein unumkehrbarer Zustand. Japanische Kulturpraktiken, etwa die Kunst des Kintsugi – das Hervorheben von Bruchlinien bei der Reparatur zerbrochener Gefäße –, verdeutlichen symbolisch die Wertschätzung von Brüchen und Verletzlichkeit. Das deutsche Schulsystem hingegen bleibt einer Form der „schwarzen Pädagogik“ verhaftet: Heute zeigt sie sich nicht mehr durch körperliche Strafen, sondern durch (subtile) Formen der Demütigung und Ausgrenzung. Sozial benachteiligte Schüler:innen werden häufig bloßgestellt, an überholten Lernzielen gemessen und anhand von Defiziten bewertet statt Unterstützung und Ermutigung zu erfahren. Solche Erfahrungen prägen dauerhaft ihr Selbstbild und befördern Respektlosigkeit, Rückzug, Demotivation, Schulabsentismus oder Aggression.

Wo Schüler:innen Wertschätzung und Vertrauen begegnen, zeigen sich dagegen überraschend schnell Zuversicht, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, eigene Potenziale wahrzunehmen. Viele junge Menschen trauen sich dennoch nicht, Wünsche offen zu äußern oder an die Umsetzung ihrer Träume zu glauben – ein Effekt wiederholter Entwertung. Auch Erwachsene verändern Verhaltensmuster nur langsam; eingefahrene Denkweisen und unreflektierte Routinen sind schwer aufzulösen. Eine zukunftsfähige Pädagogik müsste diese Erkenntnis ernst nehmen. Bildung sollte sich nicht auf Wissensvermittlung reduzieren, sondern Werte, Visionen und Motivation als Basis kreativer und selbstverantwortlicher Lernprozesse begreifen. Menschenbildung im ganzheitlichen Sinne schließt die individuelle Förderung und die Entwicklung zu verantwortungsvollem Handeln ein.

Handlungskompetenz entsteht nicht durch Auswendiglernen – auch wenn immer wieder behauptet wird, dass es sich um verknüpfbares Grundwissen handelt – oder das Wiederholen schnell überholter Bildungsinhalte aufgrund von gesellschaftlichen Veränderungen. Handlungskompetenz entsteht durch vernetztes, problemorientiertes Lernen im Kontext realer Lebenswelten.

Der Befund ist ernüchternd: Die Gesellschaft scheint den Bezug zu ihren Kindern zu verlieren. Anstatt sie als Subjekte mit eigenen Bedürfnissen wahrzunehmen, werden sie zum Beispiel durch digitale Ablenkung stillgestellt. Dabei wäre Schule grundsätzlich in der Lage, sich an den tatsächlichen Lebens- und Arbeitsanforderungen der Lernenden zu orientieren und insbesondere Jugendlichen mit multiplen Vermittlungshemmnissen zu einem selbstbestimmten (beruflichen) Weg zu verhelfen – sofern sie die Bereitschaft aufbringt, pädagogische Verantwortung neu zu denken und konsequent zu handeln.

Detlef M.Korus – Zu lange für dumm verkauft worden

Von Selbstzweifeln zur Strahlkraft: Du bist mehr als dein innerer Kritiker dir weismachen will

Wem Zeit seines Lebens eingeredet worden ist, nicht gut genug zu sein, wird sich diesen Erwartungen anpassen und Selbstzweifeln nachgeben, es vielleicht nicht zu schaffen, sich zu blamieren, einfach nicht beachtet zu werden. Wer ein Leben lang für dumm verkauft worden ist, wird nur schwer gegen die Konditionierung ankommen, doch ein Umschalten auf ein zukunftsorientiertes Denken ist möglich. Wer sich mit sich selbst, mit seinen Herzensthemen verbindet, erweckt allein dadurch die eigene Strahlkraft und gewinnt andere für die eigene Sache, baut hochwertige Beziehungen auf und wird zum charismatischen Kontaktbeschleuniger. Die größte Blockade, ist das Selbstbild, nichts Interessantes zu bieten zu haben, denn es ist zu deiner Identität geworden, und deswegen lässt du dein Leben nur allzu gerne von abschätzigen Urteilen anderer bestimmen. Solange wir auf eine Aufforderung von außen warten, bleiben wir in Unsicherheit befangen. Hinterfragen wir sie und ihre Urheber und vergewissern wir uns unserer eigenen Werte, können wir unsere Fähigkeiten in ein neues Licht setzen. Schreiben wir die uns blockierenden Gründe auf eine ‹Gründeliste› und vernichten diese danach symbolisch, befreien wir uns auch von den Hemmungen. Beim Imposter-Syndrom halten wir uns sogar selbst für Hochstapler, deren Leistungen, und Erfolge nicht auf echten Fähigkeiten beruhen, sondern nur vorgespiegelt sind, denn nur so können Betroffene ihre offensichtlichen Lebenserfolge mit dem ihnen seit der Kindheit eingeredeten geringen Selbstwertgefühl und zugleich den eigenen, dieses Vorurteil unterstützenden übersteigerten Leistungsansprüchen versöhnen.

Hier genügt es oft, sich der eigenen Gefühle und der eigenen unbestreitbaren Erfolge zu vergewissern oder sich mit anderen auszutauschen, denen es ähnlich geht. So treten ggf. auch echte Kompetenzlücken hervor, die sich durch gezielte Weiterbildung füllen lassen. Charisma und Strahlkraft werden befreit – in einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft eine Schlüsselressource und nicht etwa Luxus, denn nur so können wir uns aus der Reizüberflutung abheben und nachhaltig wirken. Strahlkraft kommt aus der Tiefe unseres Wesens, nicht nur in der charismatischen Unternehmensführung, sondern auch der Glaubwürdigkeit in sozialen Netzwerken oder im persönlichen Freundeskreis oder hinsichtlich der Bindungsstärke oder Friedensstiftung in Partnerschaft oder Familie. Menschen mit Strahlkraft gewinnen andere Menschen zwanglos für sich, denn sie sind nach einem oftmals langen Prozess der Selbstreflexion mit sich selbst im Reinen, kennen und schätzen ihre Werte und Stärken und wahren in ihrem Auftreten Authentizität, nutzen aber auch bewusst erlernte Ausdrucks- und Auftrittstechniken, um das eigene Potenzial zur Geltung zu bringen. In einer von Oberflächlichkeiten geprägten Welt ist dies etwas Besonderes. Auf dem Weg zur Entfaltung der eigenen Strahlkraft werden konkrete Übungen und Reflexionsfragen zur Blockadelösung und inneren Haltung, authentischem und geübten Auftreten und schließlich Selbstakzeptanz für die leichte Anwendung im Alltag vorgestellt. Sich mit großen Vorbildern zu vergleichen, ist lehrreich, aber auch gefährlich, denn entscheidend ist die Verbindung zu sich selbst, und diese will geübt werden – Selbstreflexion, vorbehaltlose Kommunikation, Formulierung und Präsentation der eigenen Vision, aber auch der eigenen Verletzlichkeit und entsprechend kleine Gesten in Alltagssituationen.

Abschließend wird die ‹K.O.R.U.S.-Methode› als Schlüssel zur eigenen Strahlkraft vorgestellt – ein strukturiertes Fünf-Stufen-Programm für Klartext, Organisation, Raumgewinn, Urvertrauen und Strahlkraft, das sich in der Praxis als Blockadelöser und zum Ausräumen von Selbstzweifeln bewährt hat.

Brigitte Huppertz – Mehr DU

Kommunikation als Schlüssel zu deiner wahren Strahlkraft

Wer von Kind auf gelehrt wurde, sich zurückzuziehen sei sicherer als hervorzutreten, sehnt sich zwar weiterhin nach Sichtbarkeit, Anerkennung, gar Mut, verhält sich aber von Jugend auf unabsichtlich unauffällig und wird in der Folge einfach nicht bemerkt, auch nicht beim Auftreten in welcher Form auch immer.

Gerade für Führungskräfte kann es später zum Problem werden, wenn sie ihre Vorbehalte gegenüber sich selbst immer wieder unbewusst durchblicken lassen, denn nur, wer sich im eigenen Auftreten aus tiefster Überzeugung ganz einbringt, überzeugt auch andere.

Die Autorin hat sich seit ihrer Jugend immer weiter aus der jeweiligen internen Öffentlichkeit zurückgezogen, bildete sich dann im Zuge der Nichtbeachtung ein, tatsächlich nichts Beachtenswertes beizutragen zu haben, und wurde auch in der Führungsverantwortung im väterlichen Betrieb als kühl, sachlich und gewissenhaft wahrgenommen – aber nicht als Mensch. Nähe unerwünscht! Bis ihr irgendwann auffiel, dass sie sich unbewusst stets etwas außerhalb des Kolleg:innen-Kreises aufstellte bzw. ihr Team nicht persönlich wahrnahm, nichts Näheres über die Menschen wusste, mit denen sie so eng zusammenarbeitete, denn diese Art psychischer Abstand hatte sie als Kind und Jugendliche vor einer (potenziell) feindseligen Umwelt geschützt – je unauffälliger, desto weniger verletzlich, bis zum Unterbleiben jeglicher persönlichen Kontaktaufnahme. Solche tiefverwurzelten Verhaltensweisen lassen sich nicht mit rein äußerlichem Verhaltenstraining aufheben, sondern nur mit der Bewusstwerdung des eigenen Verhaltens und der zugrunde liegenden Ängste, dessen einstigem Sinn als Überlebenstechnik und auf dieser Grundlage Umwertung im authentischen Sinne, also Selbstvergewisserung hinsichtlich Werten, Zielen und Träumen. Unter jedem angelernten Auftrittstraining scheint doch immer das wahre Verhältnis zu sich selbst durch, und so führen wir denn gerade mit uns selbst oftmals unzulässig abschätzige Gespräche als Widerspiegelung unserer in den tiefsten Gehirnbezirken abgespeicherten Konditionierungen auf Außenreize oder Handlungsanstöße, bei deren Wiederholung wir manchmal sogar noch nach Jahrzehnten ‹wegtreten› und automatisch die einst festgelegten Reaktionen zeigen (‹Trigger› = Verhaltenskrampfauslöser – im guten wie im Bösen).

Doch durch Klärung des eigenen Verhältnisses zu sich selbst (und vielleicht Wiederherstellung der eigenen Selbstachtung) lassen solche automatischen Reaktionen sich auflösen, und die eigene Kommunikation wird Ausdruck des wahren Selbst, das nunmehr unter der Maske sichtbar wird. Dann sind Ehrlichkeit und Mut erforderlich, nicht Verhaltensstrategien und Auftrittstechnik. Denn Sichtbarkeit ist eine ehrliche Einladung an das Gegenüber und eröffnet ihm auch die eigene Verletzlichkeit, stellt die Zusammenarbeit auf die Grundlage gegenseitigen Verstehens auf Augenhöhe. Nur wer Masken und Posen verwirft, ist echt, und erst dann bringt auch der Körper nicht mehr etwas anderes (nämlich die Wahrheit) zum Ausdruck als das einstudierte Auftreten. Der Weg zur Strahlkraft wird abschließend in einem strukturierten Programm von sechs ‹Schlüsseln› dargestellt, jeweils mit Praxistipps und Praxiserfahrungen versehen: (1) Trigger verstehen, (2) emotionale Intelligenz, (3) Körpersprache in der Kommunikation, (4) Trigger-Abwehr (als Mentaltechnik), (5) kleine Alltagsgesten, (6) Strahlkraft leben.

Christina Boss – Keine faulen Kompromisse zu Lasten deiner Persönlichkeit

Werte kennen. Rollen klären. Zufriedenheit leben

Die meisten Menschen bewegen sich gestresst durch den Alltag. Sie lernen – oft verbunden mit Krisen – wie man sich in der Gesellschaft behauptet, indem sie individuelle Strategien entwickeln. Wenn durch neue Umstände neue Rollen und neue „Zumutungen“ entstehen, bedeutet es für die Betroffenen, sich neu zu sortieren und Neues zu erlernen. Die Richtschnur dabei bleibt: die eigene Lebensqualität zu erhalten. Alltagszufriedenheit und Selbstfürsorge geraten allerdings ins Wanken, wenn unnötige Kompromisse die eigene Persönlichkeit beschneiden.

Wer zu oft „Ja“ sagt, obwohl er oder sie eigentlich „Nein“ meint, verliert Stück für Stück die eigene Persönlichkeit und somit auch seine Stabilität. Der stressfreie Alltag entgleitet einem dabei leise, fast schon unmerklich. Hoffnung auf Besserung bleibt zwar, doch das ist keine dauerhafte gesunde Lösung.

Die gute Nachricht: Niemand ist Opfer seiner Umstände. Jede Person darf entscheiden, ob er oder sie lieber weiter leidet oder eine konstruktive Veränderung anstoßen will. Die zentrale Frage, die sich jede:r dabei stellen darf, lautet: „Was ist mir selbst wirklich wichtig – jenseits von „man müsste“ und „man sollte“? Wer oder was will ich sein und das ganz ehrlich und authentisch?“ Lebenszufriedenheit ist messbar – als Skala von 1 bis 10. Wo steht

man aktuell? Und wie steht es um die eigenen Rollen in Familie, Beruf, Religion, Alltag und Freizeit? Diese Rollen sind selten konfliktfrei. Kompromisse, Verhandlungen und klare Regeln sind nötig, aber ebenso der Mut, eigene Bedürfnisse auszusprechen, Neues auszuprobieren und gegebenenfalls das zu verwerfen, was nicht (mehr) passt. Bedürfnisse dürfen nicht abtrainiert werden – weder in Partnerschaften noch im Alltag. Die eigene Zufriedenheit ist Basis eines guten Lebens, kein Bonus.

Kindheitsprägungen gehören auf den Prüfstand: „Was darf bleiben, was darf gehen?“ Neue Werte dürfen Platz finden – passend zur Aktualität im eigenen Umfeld und auch zur Lage der Gesellschaft oder der Zeit, in der man sich befindet. Beziehungen brauchen Struktur, aber keine moralischen Naturgesetze. Komfortzonen sind grundsätzlich erlaubt, sie sind Orte der Regeneration und Erkenntnis. Klarheit ist keine Kür, sondern Strategie. Dabei gilt es, das eigene Verhalten zu überprüfen, Selbstsabotagen zu entlarven und Prioritäten neu zu ordnen – Schritt für Schritt. Zufriedenheit ist kein Ziel, sondern ein Weg: ein tägliches Versprechen, für sich selbst einzustehen und dabei raus aus dem „Zombie-Modus“ zu gehen. Dieser Beitrag zeigt, wie Menschen ihre Rollen bewusst gestalten, wie sie Grenzen setzen und alte Glaubenssätze hinter sich lassen können. Es ermutigt, die eigene Lebensqualität nicht dem Zufall oder den „Anderen“ zu überlassen, sondern aktiv zu gestalten – mit Klarheit, Selbstfürsorge und Mut. Wer lernt, die eigenen Bedürfnisse und Werte ernst zu nehmen, gewinnt nicht nur mehr Energie, sondern auch tragfähige Beziehungen. Dieser Beitrag liefert Impulse, Reflexionsfragen und Strategien, um den Alltag nicht nur zu bewältigen, sondern bewusst zu leben – Schritt für Schritt, jeden Tag ein bisschen mehr.

Insa Grünwald – Die Star-Methode

Funktionierst du nur oder lebst du schon?

Von Pflichterfüllung im Beruf und in den sozialen Medien getrieben, erschöpfen wir uns wie in einem Hamsterrad, verkümmern zwischenmenschlich und sind selbst kleinen Problemen nicht mehr gewachsen. Dabei könnte uns nur schon ein wenig Humor zu mehr Gelassenheit verhelfen; gelassene Menschen sind gesünder, können ihr Potenzial besser entfalten und handeln eher nachhaltig – und sind ein angenehmerer Umgang. Achten wir mehr auf uns selbst, lachen vielleicht auch einmal über die eigenen Unzulänglichkeiten, dann achten wir auch mehr auf andere, auf Ressourcen, übernehmen Verantwortung. So entsteht eine resiliente Gesellschaft, die an ihren eigenen Krisen wächst. Wir schaffen sie nicht aus unserer eigenen Machtvollkommenheit, sondern sollten ganz bewusst den Beistand der Archetypen des kollektiven Unbewussten nach C. G. Jung zu Hilfe nehmen, denn sie fassen komplexe Verhaltensweisen jeweils in einem machtvollen Bild zusammen, dessen Verhaltensvorschriften wir instinktiv erfassen und übernehmen. Die hier vorgestellte STAHR-Methode ruht auf fünf Säulen: Stressmanagement, Teamarbeit, Achtsamkeit, Humor, Resilienz, und in dieser Methode wird jede Säule von einem Archetyp bewacht.

Der KRIEGER hält zur Stressreduktion an, indem er sich auf die entscheidenden Aufgaben konzentriert und diese genau zum richtigen Zeitpunkt einzeln und mit voller Konzentration erledigt.

Der GEFÄHRTE reguliert die Teamarbeit nicht als Leistungsnorm, sondern im Sinne zwischenmenschlicher Verbundenheit und kreativer Problemlösung, indem er sich auf die Seite der Gemeinschaft stellt, weil wir zusammen mehr erreichen können als allein, dann aber auch gemeinsam wachsen und lernen.

Der WEISE vermittelt in seiner inneren Ruhe und Klarheit Achtsamkeit in allen täglichen Verrichtungen auch angesichts unüberschaubarer, einander durchdringender Aufgaben und Erwartungen und damit Pflege menschlicher Beziehungen und der Gemeinschaft, denn er hält den gegenwärtigen Moment hoch und füllt ihn mit Aufmerksamkeit, rückt Sorgen und Ängste aus dem Focus.

Der NARR erinnert uns im schwermütigen Alltagstrott an die in allen unseren Geschicken und Missgeschicken enthaltene Komik, und tatsächlich werden wir allen Belastungen mit einem Augenzwinkern besser gerecht werden können, für uns selbst negative Gedankenspiralen beenden und zugleich eine von Optimismus geprägte, gar fröhliche Verbindung zu anderen schaffen, eine Gemeinsamkeit um ihrer selbst willen, die uns guttut, aber auch den ‹Ernst des Lebens› leichter tragen lässt.

Der SCHÖPFER verhilft uns durch seine Kreativität und seine transformativen Potenzen angesichts von Rückschlägen und allgegenwärtigen Unsicherheiten zur Resilienz nicht nur im Sinne von Widerstandskraft, sondern auch Weiterentwicklung und Ergreifen neuer Chancen mithilfe neuerworbener Fähigkeiten, zwingt uns also nicht zum Verharren und Abwarten besserer Umstände, sondern bestärkt uns in der aktiven eigenen Lebensgestaltung, die Herausforderungen als Rohmaterial nutzt. Wo wir uns vorkommen, als würden wir immer wieder gegen eine Wand laufen, zeigt sich der SCHÖPFER-Archetyp anpassungsfähig und schafft neue Wege, statt in schwierigen Zeiten in Resignation zu verfallen, als wäre die belastende Situation nur auf Leinwand gemalt und ließe sich dort beliebig neu erschaffen – angesichts der eigenen Stärke und selbstgewählter Ziele.

Am Fuße jeder dieser Säulen finden sich drei bis vier Übungsblöcke zur Verdeutlichung und zur Alltagsanwendung, um durch kleine Alltagsroutinen dem jeweiligen Archetypen den Eintritt an unserer Seite zu erleichtern und selbst zur tieferen Einsicht des am Fuße dieser Säule Gelehrten zu gelangen. Abschließend wird ein Vier-Wochen-Plan zur Umsetzung der STAHR-Methode mit täglichen kurzen Übungen vorgestellt, um deren Nutzen mit einer vorgegebenen Kurzübung jeden Tag zu verdeutlichen und in einem überschaubaren Zeitraum an jeder Säule einen kleinen Fortschritt zu erzielen.

Sarah Wabnitz und Marianne Bossard – Mit Eltern im Dialog

Partizipation als Schlüssel für erfolgreiche Kooperation in der frühen Kindheit

Bei Erstkontakten zwischen Eltern und Fachpersonen in der frühkindlichen Betreuung kommt es auf die reflexive Haltung des Fachpersonals und ihrem Umgang mit elterlicher Expertise an. Partizipation ist eine zentrale Gelingensbedingung in der Zusammenarbeit mit Familien, um Eltern in ihrer Rolle zu stärken, damit sie ihre Rechte und Pflichten wahrnehmen können. Da die Systembedingungen der Einrichtung für die Eltern zu Beginn nur schwer zu verstehen sind, muss Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung aufgebaut werden, um die vereinbarten pädagogischen Maßnahmen nachvollziehen zu können. Während einige Eltern ihre Entwicklungsaufgabe in ihrer neuen Rolle bewältigen, benötigen andere mehr Zeit und externe Unterstützung. Hier spielen individuelle Anpassungsfähigkeit, tragfähiges Beziehungsnetz, das Handlungsrepertoire als interne Faktoren eine Rolle, aber auch Handlungsfreiheit und Handlungsmacht als externe, in den Lebensumständen begründete Faktoren.

Die Fachpersonen müssen Fragen, Sorgen und Anliegen der Eltern bzw. Bezugspersonen von vornherein miteinbeziehen, um ihnen Sicherheit zu vermitteln. Der Prozess der Partizipation erfolgt über die drei Vorstufen (1) ‹Informieren›, (2) ‹Meinung erfragen› und (3) ‹Lebensweltexpertise› in den drei Hauptstufen (4) ‹Mitbestimmung zulassen›, (5) ‹Entscheidungskompetenz teilweise abgeben› und (6) ‹Entscheidungsmacht übertragen›. Die Perspektivenübernahme der verschiedenen Lebenswirklichkeiten, Sichtweisen und Beschreibungen und die Einbeziehung in Entscheidungsprozesse verlangt viel Feingefühl von den Fachpersonen. Zu ihrer Unterstützung wird mit dem ‹Rad der partizipationsorientierten Dialogkultur› abschließend ein umfassendes Beziehungs- und Handlungsmodell präsentiert, um Eltern in ihrer elterlichen Handlungskompetenz zu stärken, und anhand einiger Fallvignetten auf seine Alltagstauglichkeit geprüft.

Nora Hein – Der Kindeswille im Hochkonflikt

Eine psychologische Misserfolgsgeschichte?

In den 10–15 % hochkonflikthaften Scheidungen in Deutschland können sich die Eltern nicht auf tragfähige Lösungen einigen und eskalieren in schwerwiegenden gegenseitigen Vorwürfen, in die sie auch die Kinder verstricken – mit zunehmendem Risiko einer Kindeswohlgefährdung. Aggressive Auseinandersetzungen unter den Eltern führen zu Verhaltens- und Lernbeeinträchtigungen, denn Kindern sind auf emotionale Sicherheit in der Familie angewiesen, verlieren bei einer Trennung das Vertrauen, ihre unmittelbare Lebensumgebung kontrollieren zu können. Zur Rückgewinnung von etwas Stabilität und Einfluss auf die schwierige Situation wünscht das Kind i. d. R. Umgang mit dem getrenntlebenden Elternteil, und so wertet das Familiengericht einen umgangsverweigernden Kindeswillen oft als Manipulation durch den betreuenden Elternteil nach dem lange Zeit maßgeblichen Konzept des Parental Alienation Syndrome (PAS) des US-Kinderpsychiaters Richard Gardner aus seinen Praxis-Beobachtungen. Das betreuende Elternteil bindet das Kind an sich und bringt es gegen das abwesende Elternteil auf, bis das Kind sich die Argumente zu eigen macht und den Kontakt verweigert, nicht zuletzt, um dem elterlichen Konflikt zu entkommen, dem es nicht gewachsen ist. Diese einseitige Verantwortungszuschreibung unter den Elternteilen wird der Realität von Hochkonfliktpaaren mit ihren schwerwiegenden wechselseitigen Vorwürfen nicht gerecht und widerspricht dem zirkulären Beziehungsverständnis, wonach das Verhalten aller Beteiligten wechselseitig von allen beeinflusst wird, ganz abgesehen davon, dass der Konflikt zwischen den Eltern durch diese Sicht der Dinge eher noch verschärft wird.

Dennoch wurde das PAS von Familiengerichten in Deutschland zur Begründung von problematischen Urteilen benutzt, die das Kindeswohl z. B. durch Inobhutnahme oder erzwungenen Wohnortwechsel zu Ungunsten des betreuenden Elternteils in Mitleidenschaft zogen, indem die emotionale Sicherheit weiter untergraben wird. Im November 2023 erklärte das Bundesverfassungsgericht das PAS für hinreichend fachlich widerlegt, doch wie ist nunmehr ein umgangsverweigernder Kindeswille erklärlich? Auch weiterhin lösen Kinder ihre Loyalitätskonflikte in Hochkonflikttrennungen einseitig, um ihre Identität zu wahren, oder werden vom betreuenden Elternteil dazu gedrängt, wobei der Loyalitätskonflikt nicht aufgelöst wird, sondern fortbesteht und zu internalisierenden Störungen führt. Loyalitätskonflikte bilden im Gegensatz zur einseitigen Entfremdungsthese die Eltern-Kind-Triade in ihrer wahren Komplexität ab und erschließen das dysfunktionale Familiensystem einem familientherapeutischen Eingriff, etwa im gut dokumentierten Fall der Parentifizierung, wo das Kind sich zum Tröster und Unterstützer des betreuenden Elternteils aufschwingt – aus Verantwortung, aber auch um Liebe zu erlangen.

Zur Beurteilung des Kindeswillens im Umgangsverfahren, gerade auch angesichts autonomieeinschränkender Beeinflussung des Kindeswillens durch einen Elternteil, bedarf es also einer gründlichen Bindungs- und Beziehungsanamnese und -analyse im Hochkonfliktfeld.

Dr. Heidi Klein – Resilienzförderung in der Kinder- und Jugendhilfearbeit

Resilienzfaktoren und Einflussebenen an einem Fallbeispiel mit familiären Gewalthintergrund

Resilienzforschung beschreibt die Suche nach Schutz- und Risikofaktoren u. a. für die in einer sozialen Umbruchperiode unter Orientierungsschwierigkeiten leidenden Entwicklungsprozesse von Kindern und Jugendlichen. Die Integration von Resilienzförderung kann die Kinder- und Jugendhilfe hochwirksam unterstützen, denn eine dauerhafte und versierte Anwendung von schützenden Resilienzfaktoren und individuellen Ressourcen stärkt und stabilisiert die von schwierigen Lebensumständen Betroffenen.

Resilienz ist das Bewusstsein um die eigenen Ressourcen und Resilienzfaktoren und die Fähigkeit, diese jeweils situationsangemessen anwenden zu können. Zur Veranschaulichung wird ein Fall eines Jungen geschildert, der nach einer relativ unbeschwerten Kindheit bei der ihm sehr wohlgesonnenen Großmutter und dem eher bestimmenden Vater mit neun Jahren einen erheblichen Umbruch im Erziehungsstil erfuhr. Mit der neuen Frau des Vaters erlebte er einige Jahre schwerer Gewalt durch beide Elternteile, auch Zwangsarbeit, bis er sich mit 15 zur Wehr setzte und zu seiner Tante floh (die ihn tatsächlich wohlwollend bei sich aufnahm). In der Folge ging er nicht mehr regelmäßig zur Schule, fuhr mit Freunden in einem gestohlenen Auto durch Europa und landete im Betreuten Wohnen für schwer erziehbare Jugendliche. Nach einigen Umstrukturierungen in Zusammenarbeit mit seiner Familie und Jugendhilfeeinrichtungen holte er seinen Schulabschluss nach, lernte Industriemechaniker und ist heute glücklicher Familienvater. In diesem Fallbeispiel lassen sich eindrücklich Vulnerabilitätsfaktoren wie Bindungs- und Gefühlsunsicherheiten sowie Schutzfaktoren auf verschiedenen Ebenen darstellen wie auf familiärer Ebene der Rückhalt bei Tante und Großmutter und auf sozialer Ebene die Jugendhilfe. Als gewichtige Resilienzfaktoren zeigten sich vor allem ‹intendierte Reflexionsfähigkeit›, ‹Erkennen und Nutzen inkrementeller Erfolgswerte› und ‹Akzeptanz›.

Diese fördern die Fähigkeit, sich selbst und andere erkennen, reflektieren und deuten zu können, in einer gezielten rückwirkenden Beleuchtung des eigenen Lebenswegs Ursachen und Handlungsfolgen zu erkennen und schließlich ein wertfreies Annehmen des Ist-Zustands und dessen Entstehung. Weitere Resilienzfaktoren sind eine ‹sichere autonome Lebensgestaltung›, ‹Widerstandsfähigkeit, Durchhaltevermögen, Willensstärke› und ‹internale Kontrollüberzeugung›. Diese beinhalten die Wahl eines individuell passenden Lebenswegs, Durchhaltevermögen und ggf. Überwindung von Hindernissen über einige Jahre hinweg und die Überzeugung, das eigene Leben zu kontrollieren und nicht von äußeren Mächten abhängig zu sein. Um aus einer akuten Krise herauszufinden, bedarf es Resilienzfaktoren wie ‹aktive Bewältigungsstrategien›, ‹aktive Problemlösungsstrategie›, ‹Formulieren und Verfolgen realistischer Ziele, Wünsche und Orientierungen› und ‹Pflegen und Nutzen eines Unterstützernetzwerks / signifikanter Personen›. Hiermit ist die Fähigkeit gemeint, den schwierigen Lebensabschnitt unbeschadet zu überstehen und sich eine praktikable Problemlösung mit realistischen Zielen zu überlegen (ohne das zwangsläufig eine sofortige Umsetzung notwendig sein muss) und dabei die Unterstützung durch das soziale Kontaktnetz zu nutzen, ob als Problemlösungshilfe oder als emotionalen Rückhalt.

Weitere Resilienzfaktoren in Bezug auf das Erkennen und die Annahme der eigenen Persönlichkeit und externen Hilfsangeboten kommen hinzu. Resilienzfaktoren kommen nie einzeln vor, sondern bedingen und unterstützen einander wechselseitig auch in ihrer Herausbildung. Resilienzförderung in der Kinder- und Jugendhilfe erfordert einen sensiblen Umgang mit Einzelschicksalen und sollte den Ratsuchenden immer die Möglichkeit des Erzählenlassens geben, denn die Chance, dass die Betroffenen ihre Resilienzfaktoren zur Geltung bringen werden, steigt, wenn sie mit Respekt behandelt werden und ihnen die Möglichkeit gegeben wird, mittels eigener Strategien den Opferstatus zu verlassen.

Gönna Hartmann – Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in der kommunalen Mitwirkung von Kindern

Echte Mitwirkung statt Scheinbeteiligung: demokratische Grundhaltung und verbrieftes Recht

Menschen erwarten, dass sie an sie betreffenden Entscheidungen beteiligt werden, denn dann tragen sie das Ergebnis mit und damit eine gemeinsame Zukunft. Doch wird in Staat und Unternehmen noch oft genug über ihre Köpfe hinweg entschieden, erst recht bei Kindern und Jugendlichen, obwohl sie sehr wohl Expert:innen ihres eigenen Lebens sind und sinnvolle, verantwortungsbewusste Vorschläge machen, nicht zuletzt im Sinne einer frühen Einübung von Demokratie verstanden.

Doch die Erwachsenen wollen keine Macht abgegeben, und die Kinder und Jugendlichen ziehen sich aus solchen Scheinveranstaltungen rasch zurück. Dabei schreibt die UN-Kinderrechtskonvention von 1989 – in Deutschland 1992 ratifiziert – die Berücksichtigung des Kindeswillens in allen das Kind betreffenden Angelegenheiten auch in Gerichts- und Verwaltungsverfahren zwingend vor. In Deutschland hat dieser Gedanke 2021 in einer umfassenden Novellierung der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) seinen Niederschlag gefunden, doch ist echte Beteiligung von Kindern und Jugendlichen vor Ort immer noch selten. Erwachsene sind nicht bereit, einen Teil ihrer Entscheidungsmacht an Kinder und Jugendliche abzutreten, schon gar nicht dazu, deren Recht hierauf anzuerkennen. Vertrauen muss man erst lernen, eine Verantwortungsgemeinschaft muss wachsen, und sie wird möglicherweise nicht immer perfekt sein. Unterschieden werden fünf Beteiligungsstufen je nach Intensität der Mitbestimmung, von den vorbereitenden Stufen (1) ‹Teilhabe› und (2) ‹Transparenz / Information› über eine eher anhörende (3) ‹Mitwirkung› bis hin zur vollen (4) ‹Mitbestimmung› und (5) ‹Selbstbestimmung›. Typische Beteiligungsformen gerade von Kindern und Jugendlichen auf diesem Strahl sind Beauftragte oder punktuelle Beteiligungen, Alltagspartizipation, aber auch Gremienbeteiligungen oder eigene gewählte Interessenvertretungen, häufig auch Projektbeteiligungen oder offene, variable Formate. Dabei ist die Kinder- und Jugendbeteiligung nur Teil eines größeren integrativen Projekts, nämlich als Element der Organisationskultur ein Impulsgeber für gesellschaftliche Innovationen, gemeinsame intergenerationale Zukunftsgestaltung für alle.

Abschließend wird ein fünfstufiges Projektmodell vorgestellt, dass sich in der Projektpraxis bewährt hat, wobei nach Auswahl der Anspruchsgruppen in einer Auswahlveranstaltung die relevanten Themen gesammelt und dann in der Arbeitsphase aufgearbeitet werden, bis schließlich feste Strukturen der Kinder- und Jugendbeteiligung in Politik und Verwaltung wie auch ein jährliches Evaluationsregime geschaffen werden.

Alexandra Mangold – Erkenne den roten Faden in deinem Leben und befreie dich aus der Matrix

Die Welt als künstlich erzeugte Illusion und die Risse darin als Chance zur Bewusstwerdung

Die Autorin lebte unauffällig als Psychotherapeutin, hielt dabei jedoch immer ihre Sinnsuche von Jugend an aufrecht und war von inspirierenden Menschen und Themen umgeben, die zumindest an der glatten Oberfläche der Matrix kratzten, jener Scheinrealität, der sie sich 2022 schlagartig bewusst wurde, als sie auf dem Höhepunkt der Corona-Isolation (einer weltweit gleichgeschalteten Mediendarstellung, die für die, die bereit waren dies zu wahrzunehmen, nichts mehr mit der Realität zu tun hatte) erstmals die Matrix-Trilogie (1999, 2003) sah. Die Matrix, welche eine künstliche Wirklichkeit aus digital simulierten Frequenzen ist, nährt sich von der Angst und der Traumatisierung der Menschen in ihr und sichert sich ihr Fortbestehen durch die Reproduktion von niedrigschwingenden Emotionen, welche sie durch die kollektive Implementierung von Konditionierungen, Werten und Normen (oder deren Aufweichung) erreicht, und mit deren Hilfe sie sich nach und nach alle Individualität und damit kreative Schöpferkraft unterwirft. Ihre Wirkungsprinzipien sind (1) Existenzangst, (2) Abhängigkeit von Geld, (3) Druck der Massen.

Die Matrix verbreitet sich durch Informationsüberflutung und Gleichschaltung, anstelle von Bewusstwerdung und Zeit für Kontemplation sowie durch Reduktion der menschlichen Wahrnehmung auf die fünf Sinne, plus eine sinnlose Wissensanhäufung und damit Ausschaltung der Hellsinne und der Intuition, so dass wir ihr kaum noch eigene, nicht manipulierte Gedanken oder gar kreative Impulse entgegensetzen können. Die Matrix befeuert vor allem deshalb niederschwingende Gefühle, da ihre Urheberschaft so weit von der Quelle allen Seins entfernt ist, dass sie sich nur auf ihrer eigenen niedrigen Frequenz reproduzieren kann. Zudem trainiert die globale Führung die breite Masse kontinuierlich auf die Nutzung des Verstandes, um sie mithilfe des in ihrem Auftrag produzierten Wissens immer feiner lenken zu können. Die Matrix möchte uns unsere Verbundenheit mit dem All-Eins-Sein vergessen machen und uns von unserem Götterfunken ablenken, damit er sich nicht seiner Schöpferkraft bewusst werde.

Der kollektive Erinnerungsverlust zieht wie ein roter Faden der Nichtzugehörigkeit durch unser Leben, in das wir Menschen durch unseren individuellen Geburtsort und Geburtszeitpunkt über feste Standortkoordinaten innerhalb der Matrix verankert sind, so dass sich der rote Faden im Laufe des Lebens aus der Verschränkung der Ursprungsvergessenheit und der sich im Lebenslauf entfaltenden natürlichen Anlagen als Abfolge der Lebenskonstellationen ergibt (ablesbar z. B. im detaillierten Geburtshoroskop sowie ähnlichen Methoden). Die fortbestehende Verblendung hinsichtlich des roten Fadens im eigenen Leben kann u.a. zu Krankheit führen; der Schlüssel zur Genesung und Wiederherstellung der eigenen Energieversorgung liegt in der Wiederverbindung mit dem göttlichen Ursprung.

Das eigene Radix-Horoskop kann uns dabei dienlich sein, gerade die blinden Flecke in den eigenen Koordinaten – die Urwunden – zu identifizieren und uns durch die Konfrontation mit unseren Ängsten und Unsicherheiten der Schirmherrschaft unseres Lebensweges – und seiner Gabelungen und Kreuzwege – anzuvertrauen, denn sie tragen uns zu uns selbst, formen unser individuelles Umgehen mit bedrohlichen Situationen. Doch es gibt für uns keinen physischen Ausweg aus der Matrix. Der Ausweg führt über eine Bewusstwerdung sowie die Loslösung von unserem vermeintlichen Wissen, unseren blind übernommenen Werten und unserer Anhaftung an unseren physischen Körper. Denn die Matrix greift über den irdischen Avatar unseres göttlichen Funkens auf uns zu, und auf dem Weg aus der Matrix heraus werden wir uns nicht nur von unserem bisherigen Weltbild, sondern unweigerlich auch von den meisten alten Freundschaften trennen müssen, sofern diese bei ihrer gewohnten Sicht auf die Realität bleiben. Indem wir die mit dem roten Faden verbundenen Panikauslöser (und die ihnen zugrunde liegenden Ängste) erkennen, kann die Matrix nicht mehr in die eigenen Gedanken und Ängste vordringen, sie verliert ihre Macht über uns.

Muriel Tobler – Wie würde ich mich fühlen, wenn ich ganz gesund wäre?

Ein Genesungsimpuls aus meiner eigenen Zukunft löst körperliche und geistige Blockaden

Mit dem Verhallen von Sinnfragen passen wir uns an, beobachten nur noch unser Umfeld, lassen uns von anderer Meinung in die Schwere führen und nehmen bestenfalls ein paar Bücher oder Zitate mit in unsere Verschlossenheit. Doch die Liebe in uns möchte in die Sichtbarkeit kommen, um mit Leichtigkeit, die Erinnerung an die eigene Göttlichkeit wiederzuerlangen. Vor allem die Kritik am eigenen Körper, am eigenen Aussehen unter dem Diktat der Werbung und der Mode, aber auch die Reduktion der Gesundheit auf das dem Alter entsprechende Funktionieren des Körpers, führt zu seelischer Abspaltung. Nur ein paar Sinnsprüche dringen ab und zu noch durch.

Doch nur wir selbst können unsere eigene Seele finden, das Lebenslicht in uns befreien, um zu gesunden, und uns nach unserer Herzensstimme richten. Die wahre Freiheit ist der Moment des Innehaltens zwischen Außenreiz und der eigenen Reaktion, denn in diesem Moment verliert die Zeit ihre Macht. Aus Sicht der Liebe sind dann alle Kämpfe und Sabotageprogramme leichter zu erkennen. Es sind vor allem Selbstbilder, nicht Feindbilder, die uns lähmen. Das Wünschen löst sich auf, denn es entstand aus einem Gefühl des Mangels. Wenn wir jeden Augenblick unseres Lebens mit Selbstachtung und Freude gestalten, wird auch der Körper als Tempel der Selbstentfaltung in der Welt unsterblich, denn wir werden ihn nicht mehr durch Umweltfaktoren undnHerrschaftsmechanismen vergiften und fremden Zwecken unterwerfen. Wenn wir nun mit einer feinstofflichen Wahrnehmung in uns hineinhören, werden wir ohne weiteres vernehmen, was unser Körper als ureigene Schwingungsfrequenz zu seiner Heilung möchte. Durch die bewusste Aktivierung der körperlichen Blaupause kann sich die Seele im nächsten Schritt mit dem Quantenfeld aller Möglichkeiten, in ihren Urgrund wieder verbinden; dabei alle Fremdprogramme auflösen, mit denen uns andere ihren Willen aufdrängen wollen. Durch das Ausdehnen der Blaupause, das weitere Lernen, Fühlen, wird die Schöpferkraft immer präsenter, Zwietrachtfrequenzen lösen sich sogleich auf.

Nicht vermeintlich unwandelbare Verhältnisse bestimmen unser Wohlbefinden; wir selbst bestimmen unsere Schwingung. Wer die eigenen negativen Gedanken ablehnt, führt immer noch Krieg gegen sich selbst, und auch die vermeintliche Unvermeidlichkeit des Sterbens ist vielleicht nur ein Programmbaustein in diesem Gefüge. Mit dem Bewusstsein der Fülle ist immer alles jetzt möglich.

Anette Sieber – Bewusstsein, Selbstermächtigung

Heilung und Harmonie leben, wie du es liebst und verdient hast

Wenn es wahr ist, dass wir unser Leben selbst schaffen, dann werden wir uns doch nicht bewusst Sorge und Krankheit schaffen, sondern diese vielmehr abschaffen. Wenn wir unsere eigene Schwingung, unsere eigene Wahrheit finden, werden wir uns von den Lebensmustern, die wir gegen unseren Willen verfolgen, lösen, denn die persönliche Energie beeinflusst die eigene Lebensrealität und erschafft sie letzten Endes, wenn wir uns nur darauf einlassen. Wer sich von äußeren Anforderungen treiben lässt, unterliegt der damit einhergehenden emotionalen Abhängigkeit; auch der Körper wird von den ständigen negativen Gefühlen abhängig. Selbst höher zu schwingen, würde hingegen auch das eigene Umfeld beeinflussen und Gleichklang anziehen, denn das eigene Potenzial leuchtet von innen heraus, und nur du selbst kannst eine Bewusstseinstransformation anschieben, indem du dein Bewusstsein verschiebst, Energie auf ein anders Augenmerk konzentriert.

Wer sein eigenes Leben nicht in die eigenen Hände nimmt, kann nicht heilen, doch wer die eigene Energie auf Heilung richtet, kann körperliche

Selbstheilung anstoßen und geistig begleiten. Blockaden basieren auf unbewussten Programmen zunächst aus der Erziehung, später gesellschaftlichen Einrichtungen und Medien. Sie lassen sich später nur mühsam unter unseren automatischen Reaktionen auffinden, doch wenn wir die eigene Schwingungsfrequenz erhöhen, negativen Energien nicht mehr die Macht über uns überlassen, werden wir unserer Gefühle und unserer Einbettung in die Situation gewahr, denn die bewusste Anerkennung der Situation ist die Voraussetzung für eine Bewusstseinserhöhung.

Und da wir nur alle gemeinsam die Welt sind, können wir die Welt durch Selbstveränderung ohne weiteres verändern. Die Frequenztheorie ist sogar dabei, eine interdisziplinäre Naturwissenschaft der menschlichen Schwingungsebenen und ihrer Übereinstimmungen zu entwickeln, mag sie auch noch in den Kinderschuhen stecken. Sie unterscheidet den alltäglichen Beta-Zustand, den leicht meditativen Alpha-Zustand (als Dämmerzustand des Bewusstseins), den hochmeditativen und neuroplastischen Theta-Zustand kurz vor dem Tiefschlaf und schließlich den Delta-Zustand im Tiefschlaf. Die Schwingungsebenen sind jedoch keine reinen Köperfunktionen, sondern unterliegen der Aufmerksamkeitsteuerung. Gehirnkohärenz (Gedankenruhe) und Herzkohärenz (Liebesfülle) führen zum Alpha- und Theta-Zustand und damit Gestaltungsmöglichkeiten unserer Verhaltensmuster, ererbten Gewohnheiten und neuronalen Bahnen. Auch die Übereinschwingung zwischen Menschen oder Menschen und anderen Lebewesen lässt sich nachweisen. Doch letztlich geht es um das Wiederentfachen des unverlöschlichenneigenen inneren Lichts.

 

Karl Peter van der Viefen – Wundheilung und Gewebegedächtnis

Wie unser Körper sich selbst repariert

Nach Verletzung bildet der Körper mit der Wundkruste sofort eine Art Schutzschild gegen weiteren Blutverlust. Dann wird die Wunde in einer Entzündungsphase innerlich gereinigt und danach mit neuem Gewebe und Blutgefäßen aufgefüllt und schließlich verfestigt, wobei sich das Kollagen, das der neuen Haut Struktur und Stabilität gibt, je nach Größe und Tiefe der Wunde unterschiedlich organisiert, so dass u. U. eine Narbe zurückbleibt.

Doch speichert der Körper Traumata ibs. auch nach der Wundheilung in den dabei aufgetretenen Verspannungen oder Krämpfen, und diese können auch später anlasslos wieder auftreten. Diese körperlichen Spannungen lassen sich unabhängig von der Traumaerinnerung z. B. durch Osteopathie mildern und schließlich auflösen; jedoch genügt die Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit z. B. eines Gelenks alleine nicht.

 

Kati Voß – Körper, Verantwortung und Bewusstsein

Rückschlüsse auf ein ganzheitliches Menschenbild

Mag die Auftrennung der inneren Verbundenheit von Mensch und dessen natürlichem Sein auch autonome Innenräume in Gestalt von Urbanisierung und technischem Fortschritt schaffen, gehen doch die natürlichen Rhythmen und die Intuition verloren, denn wir müssen in einer unnatürlichen Kultur bestehen. Im dualistischen Weltbild nimmt der Mensch seine Trennung von der Natur als Überlegenheit gegenüber der Natur und Recht zu deren Ausbeutung wahr.

In der östlichen ganzheitlichen Auffassung liegt hingegen die Fehlwahrnehmung der Realität auch der Selbstverliebtheit / Anhänglichkeit oder der Entfremdung / Todesangst als Dimensionen der menschlichen Unwissenheit zugrunde. Doch auch mit einer westlichen Denkungsart können wir unsere Übereinstimmung mit der Natur durch Naturerleben und Naturwissen wiederherstellen. Doch solange das ganzheitliche Menschenbild dergestalt in Fremdverantwortung liegt, der innere Zusammenhalt von Körper, Geist und Seele bewusst durch die obwaltenden Mächte beschnitten wird, tötet das Bildungssystem das freie Denken und damit jede denkbare Einsicht, denn ein ganzheitliches Menschenbild würde Autonomie der Einzelnen bedeuten. Das ganzheitliche Menschenbild besteht aus (1) Einheit von Körper, Geist und Seele, (2) Lebensenergiedurchdringung des gesamten Kosmos, (3) Eingebundenheiten des Menschen in Natur und Kosmos, (4) zyklische Zeitauffassung, (5) Karma und Dharma (also Schuldschicksal und Sittenordnung), (6) Streben nach Erleuchtung. Die Einheit von Körper, Geist und Seele erinnert an die hinduistische Dreigestaltigkeit von Schaffung, Erhaltung und Zerstörung als – hier abschließend geschildertes – Bewegungsgesetz der Welt.